So, oder so ähnlich kann man die aktuelle Situation beschreiben. Angefangen hat es mit der Plattform kino.to letztes Jahr. Diese wurde nach jahrelangen Machenschaften geschlossen. Nur hat es nicht lange gedauert, ich glaube einen Tag, bis der Nachfolger aus dem Boden spross.
Aktuell sind SOPA und PIPA in/aus den USA sowie ACTA im Gespräch: Das Internet soll kontrolliert werden. Zensur oder Sperren halte ich aber grundsätzlich für falsch. Fängt doch schon in der Schule an. Ein ewiges Katz und Maus Spiel mit den Sperren. Wer aber ins Internet will, der kommt auch rein. Das ist Fakt.
Was mich aber immer wieder aufregt, ist das (gefährliche) Halbwissen der Politiker. Es gibt nur sehr wenige, die wirklich Ahnung davon haben. Alle anderen verlassen sich auf Lobbys. Gerade erst in den USA hat sich Chris Dodd „verplappert“: Obama möge SOPA unterstützen, andernfalls müsse er auf eine Wahlkampfunterstützung aus Hollywood verzichten. Erste Reaktion: Facepalm. Das zeigt doch die Gefährlichkeit von Lobbyismus und die Auswirkung von Halbwissen, wenn Politiker SOPA zustimmen würden.
Der Fall Megaupload hat doch schon einen Vorgeschmack geliefert. Deutsche Staatsbürger wurden in Neuseeland von Amis verhaftet, weil deren Unternehmen -Hauptsitz in Hong Kong- gegen amerikanisches Recht verstoßen hat. Das muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen. Ich möchte noch einmal betonen, dass ich illegales Filesharing in keinster Weise unterstütze. Aber einen (mega) Dienst zu schließen ist der falsche Ansatz. Bleiben wir dazu aber mal in Deutschland. Hier hat die Woche die CDU/CSU Bundestagsfraktion SOPA als richtungsweisend erklärt. Schließlich solle das Urheberrecht auch im Internet gelten. Grundsätzlich begrüße ich es, wenn jemand das Urheberrecht stärken will. Schließlich bin ich auch einer von denen, die betroffen sein könnten. Wenn ich Software entwickle und es später auf illegalen Tauschbörsen sehe, würde ich sicherlich auch im Strahl kotzen. Aaaaaaber: SOPA ist und bleibt sinnlos im Kampf gegen Filesharing. Warum? Man kann zwar jeden Tag eine Plattform schließen, zensieren oder whatever, aber es kommt dann jeden Tag eine neue Plattform hinzu.
Man muss das Problem an der Wurzel packen. Die Wurzel sind die Plattenfirmen, Filmstudios, Softwareschmieden etc.. Und auch die GEMA. Um das zu verstehen, muss man sich erstmal klar werden, warum die Menschen illegal die Sachen aus dem Netz ziehen. Weil es schlichtweg zu teuer ist. Ich nenne jetzt mal das Beispiel bei Musik. Die Künstler verdienen bei weitem nicht so viel wie die Plattenlabel bei einem Download einer Single. Und ausgerechnet die Plattenlabel heulen uns die Ohren voll, dass sie viel zu wenig verdienen und großen Druck auf die Politik ausüben, damit solche Schwachsinns Gesetze unsere Freiheit einschränken?
Musik, Filme und Software müssen BEZAHLBAR sein! Gäbe es hier in Deutschland wenigstens mal eine ordentliche Filmeflatrate, wie z.B. in den USA mit Netflix oder ordentliche Musikflatrates, dann würden (da könnte ich jetzt meine Hand für ins Feuer legen) viele Menschen hier, die vorher illegal im Netz geladen haben, auf legale und kostengünstige Angebote umschwenken.
Um noch einmal auf die Folgen von der Schließung von Megaupload zurückzukommen. Als ich lesen durfte, dass jetzt z.B. auch Dropbox unter die Lupe genommen wird, dann wurde ich leicht wütend. Im Grunde genommen müsste man - wenn man wirklich das Filesharing komplett unterbinden möchte - Folgendes tun: Das Internet abschalten. Computer, Notebooks, Tablets und Handys/Smartphones verbieten und alle bisherigen vernichten. Radio darf auch nicht mehr existieren. Früher hat man z.B. Musik im Radio mit Kassetten aufgenommen. Fernsehen darf es auch nicht mehr geben. Kommunikation mit Menschen muss unterbunden werden. Resultat: Willkommen in der Steinzeit, Jahrtausendelange Entwicklung für die Tonne. Musik, Filme und Software gibt es nicht mehr und der illegale Austausch auch nicht mehr.
Meiner Meinung nach stehen wir an einem ganz wichtigen Punkt in der noch jungen Geschichte des Internets und dem modernen Zeitalter. Politiker könnten mit den falschen Entscheidungen in den nächsten zwei Jahren viel, sehr viel Entwicklung zunichtemachen.
In diesem Sinne
Raphael
Titelbild: spiegel.de
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